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Lebensbäume im Wandel der Zeiten

Promenade Heringsdorf im Herbst

 „Dein Lebensbaum ist die Buche“ steht auf einer kleinen Schachtel geschrieben. Ich muss lächeln, denn natürlich ist sie das. Hier auf dieser Insel gibt es keinen anderen Baum so oft wie sie. Sie gehört hierher wie der Sand und das Meer. Ihr Klang ist das Rauschen der Küstenwälder, der sich an Wintertagen in gespenstisches Heulen verwandeln kann. Und dann wieder spendet ihr blättriges Dach bewegungslos Schatten in sommerlicher Hitze. Sie ist ein Meister der Verwandlung, zeigt dem Frühling ihr zartgrünes Gesicht, bevor der Sommer sie vor Kraft strotzen lässt und der Herbst ihr die Röte in die Blätter treibt. Bald einhundert Mal haben viele Buchen hier dieses Wachsen und Vergehen durchlebt. Sie kennen die Insel zu Kaisers Zeiten, unter Hitlers Diktatur und in den Jahren im Sozialismus. Sie haben mit angesehen, wie die Seebäder nach der Wende zu neuem alten Glanz fanden, und viel zu oft mussten sie weichen, damit noch mehr Sommerfrischler auf dem Eiland Platz fanden. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich Buchenkronen, die weit über die Bädervillen hinausragen. Windzerzaust und doch so stolz. Sie ist nicht nur mein Lebensbaum, sondern auch der dieser Insel.

In der kleinen Schachtel liegt ein rundes Stück Buchenholz. Es erinnert an die Knäufe der Schubladen so mancher Kommode, die es in den 1990er Jahren in die frisch renovierten Wohnzimmer auf dem Eiland schaffte. Seine Schlichtheit lässt nicht erahnen, wie standhaft es Wind und Wetter trotzen kann. Seine Oberfläche ist glatt poliert. Vermenschlicht, damit es als Handschmeichler dienen kann. Ich nehme es als Stück aus dem Innersten einer Buche, denn ihm fehlt die feine Rinde, die sich zu Lebzeiten bis in bewegteste Höhen hinauf zieht, und die genauso dünn ist wie die Haut mancher Menschen am Meer.

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